Das Jahr 2026 begann stark, wobei die Geopolitik erneut im Mittelpunkt stand; von Venezuela über Grönland bis Iran. Die Reaktionen der Märkte waren bisher recht verhalten, wobei die globalen Aktienkurse, Zinsen und Devisenkurse stabil blieben. Nur Gold und Öl erreichten seit Jahresbeginn kurzzeitig Höchststände von +7 % bzw. +8 %, was die Unsicherheit der Anleger und die steigende Wahrscheinlichkeit von Negativszenarien widerspiegelt. Wir rechnen mit zwei Tail-Risk-Ereignissen, die eine starke Reaktion der globalen Märkte auslösen könnten: 1) eine Eskalation im Nahen Osten, wo höhere Ölpreise die Welt zurück in die Stagflation treiben könnten, und 2) eine gewaltsame Annexion Grönlands durch die USA, die Auswirkungen auf die NATO, den Handel und den Ukraine-Konflikt hätte. Ein daraus resultierender globaler Vertrauensschock mit einer Standardabweichung, vergleichbar mit der Zeit zwischen dem Tag der Befreiung und dem Ausbruch der Pandemie, würde das globale BIP-Wachstum um etwa 1 Prozentpunkt (von 2,9 % im Jahr 2026) verringern und zu schweren Marktstörungen führen, darunter fallende Aktienkurse (außer im Verteidigungssektor), steigende Kreditspreads, steilere Zinskurven und ein schwächerer Euro.
In Venezuela ist der Status quo das wahrscheinlichste Szenario. Das Land würde instabil und für Ölkonzerne unattraktiv bleiben. Es sind keine wesentlichen Auswirkungen auf den globalen Markt zu erwarten, da die Ölpreise davon unberührt blieben. Regionale Instabilität und eine Eskalation mit US-Interventionen in anderen Ländern der Region (z. B. Kuba oder Kolumbien) würden jedoch aufgrund der erhöhten Unsicherheit zu einer negativen Reaktion des globalen Marktes führen. Eine rasche Neuausrichtung der venezolanischen Politik auf die Forderungen der USA und eine erhöhte Ölproduktion würden die Ölpreise drücken und zu einer leicht positiven Marktreaktion mit niedrigeren globalen Zinsen führen. Zu beobachten sind: die Entwicklung von Handelsabkommen, einschließlich des USMCA, und das Ausmaß, in dem Verhandlungen scheitern könnten, was zu einer Zunahme von tarifären und nichttarifären Handelshemmnissen führen würde; Wahlzyklen in Costa Rica, Kolumbien, Peru und Brasilien sowie Risiken in finanziell angeschlagenen Ländern der Region, wie Argentinien und Kolumbien.
In Bezug auf Grönland gehen wir davon aus, dass die USA angesichts innenpolitischer Widerstände und starken Gegenwiderstands seitens ihrer Verbündeten letztendlich ihre Rhetorik abschwächen und ihre Pläne für eine strengere Kontrolle oder eine vollständige Annexion aufgeben werden. Eine informelle Kontrolle durch einen „New Greenland Deal” mit sehr großzügigen wirtschaftlichen Anreizen und starken Sicherheitsgarantien (einschließlich eines Waffenstillstands in der Ukraine) ist ein plausibles Szenario, das es zu beobachten gilt. Eine vollständige Annexion mit Gewalt ist unwahrscheinlich: Ein Angriff der USA würde sofort das Ende der NATO bedeuten und zu erheblichen Marktstörungen führen, während Russland wahrscheinlich in der Ukraine vorrücken würde, was die Unsicherheit insbesondere in Europa auf ein beispielloses Niveau treiben würde. Die Reaktion der EU und Dänemarks auf die militärische Präsenz der USA, strategische Interessen und die Unabhängigkeitsbewegung Grönlands sowie die potenziellen wirtschaftlichen Anreize seitens der USA müssen genau geprüft werden.
Im Iran ist die Wahrscheinlichkeit eines Regimewechsels zum jetzigen Zeitpunkt gering, allerdings ist auch eine Eskalation der Spannungen wahrscheinlich. Ein erhebliches Risiko wäre ein umfassender Krieg im Nahen Osten unter Beteiligung des US-Militärs, der zu deutlich höheren Ölpreisen (120 USD/Barrel) und einer negativen Reaktion auf dem Weltmarkt führen würde.
Die gesamte Studie von Allianz Trade ist hier als Download abrufbar.


