Kann Europa den Ausfall russischer Gasimporte wegstecken?

  • 36 Prozent des europäischen Gasbedarfs werden von Russland gedeckt. Eine Studie des österreichischen Kreditversicherers Acredia in Zusammenarbeit mit Euler Hermes geht davon aus, dass rund 10 Prozent des gesamten Energiebedarfs in Europa bei einem Wegfall der Russlandimporte gefährdet wären, in Österreich wären es sogar 19 Prozent.
  • Europa hat drei Möglichkeiten, einen Ausfall zu kompensieren. Zum einen könnten andere Länder einspringen. Die Kapazitäten sind jedoch begrenzt und hängen von der Infrastruktur ab. Zum anderen könnten erneuerbare Energiequellen die Lücke schließen, was aber einer gemeinsamen Anstrengung aller EU-Länder bedarf. Schließlich kann die Nachfrage durch dauerhaft erhöhte Preise gedrosselt werden. Ein Anstieg des Strompreises um 40 Prozent und ein Verdoppeln des Gaspreises könnten die Nachfrage um 8 bis 10 Prozent sinken lassen.

Es wird für Europa nicht leicht werden, sollten die russischen Gasimporte wegfallen, immerhin decken sie 36 Prozent des gesamten Gasbedarfs der EU. Eine Studie des österreichischen Kreditversicherers Acredia in Zusammenarbeit mit Euler Hermes hat errechnet, dass fast 10 Prozent des gesamten Energiebedarfs der EU bei einem Ausfall gefährdet wären. Vor allem Ungarn, Slowenien, Tschechien, Lettland und Deutschland wären betroffen, da mehr als 20 Prozent des Energiebedarfs dieser Länder von russischem Erdgas abhängen. 

19 Prozent der Energieversorgung Österreichs könnten gefährdet sein

„Die Lage in Österreich schaut nicht besser aus“ erläutert Acredia-Vorständin Gudrun Meierschitz. „Dreht Russland den Gashahn zu, wären 19 Prozent unserer Energieversorgung gefährdet. In dem Fall gäbe es drei Möglichkeiten: mehr Erdgas aus anderen Ländern importieren, mehr Energie aus anderen Quellen erzeugen und die Erdgas-Nachfrage durch erhöhte Preise drosseln.“ 

Import aus anderen Ländern erhöhen

Europas Gasspeicher sind derzeit zu 29 Prozent gefüllt, das reicht bei diesem milden Winter bis Ende März. Im Sommer müssen die Reserven wieder aufgefüllt werden. Es gibt zwar erste Bestrebungen der EU mehr Erdgas aus Ländern wie Algerien und Qatar zu beziehen. Die begrenzten Kapazitäten würden allerdings nur einen Zeitpuffer von drei Tagen schaffen. Ein Umstieg auf andere Lieferländer setzt zudem einen Zugang zum Pipeline-Netzwerk voraus, was nicht bei allen potentiellen Partnern der Fall ist.

Energiehoheit durch erneuerbare Energie zurück gewinnen

 “Um die Energiehoheit zurück zu gewinnen, ist es wichtig, dass Europa jetzt einen ambitionierten und koordinierten Plan entwickelt“ fordert Meierschitz. „Nur so kann die Energiesicherheit für den nächsten Winter gewährleistet werden.“ 

Um die Gasimporte aus Russland zu ersetzen, müsste die Produktion aus erneuerbarer Energie um 1 Exajoule (278 TWh) pro Jahr gesteigert werden. Dazu sind jährliche Investitionen von EUR 170 Milliarden notwendig, das entspricht 1,3 Prozent des europäischen BIP. Für Österreich würde das bedeuten, dass die Produktion aus Solar- und Windenergie um je 38 Prozent und aus Bio-Gas um 20 Prozent gesteigert werden müsste.

Nachfrage durch dauerhaft höhere Gas- und Strompreise reduzieren 

Wie sich erhöhte Preise auf die Stromnachfrage auswirken, hat Fukushima gezeigt. Damals verlor Japan auf einen Schlag 27 Prozent seiner Atomenergie. Aufgrund dieser Erfahrungen geht die Studie davon aus, dass die Erwartung von einem dauerhaften Preisanstieg von +40 Prozent für Strom und +100 Prozent für Gas, die Nachfrage zwischen 8 und 10 Prozent reduzieren würde. Der Anstieg der Handelspreise in der EU in den letzten 12 Monaten von +30 Prozent bei Strom und +50 Prozent bei Gas ist bereits ein Schritt in diese Richtung. „Stoppt Russland die Gaslieferungen, dann ist ein Preis von 200 Euro/MWh möglich“ kalkuliert Meierschitz. „In Österreich würde das die Stromnachfrage um 8 Prozent reduzieren.“

Relativ einfach ließe sich der Gasverbrauch bei der Stromproduktion senken. In Österreich gibt es derzeit 59 Kraftwerke*, die Strom mit Erdgas erzeugen. Bei einem Ausfall der russischen Gaslieferungen, würde die heimische Stromproduktion um 14 Prozent sinken. Dies ließe sich zumindest teilweise durch eine Steigerung der Stromproduktion aus Alternativquellen wettmachen. 

Die vollständige Studie von Acredia und Euler Hermes finden Sie hier (PDF, Englisch).

*Quelle: Gas Connect Austria

Anhänge:

Foto Gudrun Meierschitz

Rückfragehinweis:

Mag. Marion Koll, Pressesprecherin Acredia Versicherung AG

Tel.: +43 (0)5 01 02-2150

Mobil: +43 664 80102 2150

E-Mail: marion.koll@acredia.at

 

Bettina Pepek, kommunikationsraum GmbH
Mobil: +43 664 510 8678

E-Mail: pepek@kommunikationsraum.at

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