- Europas Hitzesommer 2026 verursacht geschätzte 113 Mrd. Euro an wirtschaftlichen Verlusten
- Österreich aktuell mit vergleichsweise moderater Klimabelastung – langfristige Risiken bleiben bestehen
- El-Niño-Szenario: Österreichs Wirtschaftsleistung könnte 2027 um rund 1,5 Mrd. US-Dollar geringer ausfallen
- Besonders spürbar könnte der Effekt bei Lebensmitteln werden: bis zu +1,34 Prozentpunkte bei der Nahrungsmittelinflation
Wien, 24. September 2026 – Extreme Hitze hinterlässt nicht nur ökologische Spuren, sondern zunehmend auch messbare wirtschaftliche Folgen. Eine aktuelle Analyse von ACREDIA und Allianz Trade beziffert die mit den Hitzewellen des Sommers 2026 verbundenen Einbußen in 30 europäischen Ländern auf insgesamt rund 113 Mrd. Euro. Das entspricht etwa 0,46 Prozent ihrer für 2026 erwarteten gemeinsamen Wirtschaftsleistung.
Besonders hohe absolute Belastungen errechnet die Studie für Italien mit 27,8 Mrd. Euro, Deutschland mit 25 Mrd. Euro und Frankreich mit 20,1 Mrd. Euro. Wie stark Hitze wirtschaftlich wirkt, hängt dabei nicht allein von der Temperatur ab: Auch Luftfeuchtigkeit und Bevölkerungsverteilung spielen eine wesentliche Rolle.
„Klimarisiken werden immer mehr zu Wirtschaftsrisiken. Für Unternehmen geht es dabei längst nicht nur um unmittelbare Schäden durch Extremwetter. Hitze kann Produktivität beeinträchtigen, Lieferketten belasten und Kosten erhöhen. Umso wichtiger ist es, solche Entwicklungen frühzeitig in unternehmerische Entscheidungen einzubeziehen“, sagt Michael Kolb, Vorstand der ACREDIA Group.
Österreich im internationalen Vergleich derzeit moderater belastet
Wie unterschiedlich sich Klimarisiken entwickeln, zeigt der neue „Allianz Climate Risk Tracker“. Er betrachtet zwei unterschiedliche Dimensionen: Der Climate Change Score misst, wie stark sich die klimatischen Bedingungen gegenüber dem Zeitraum 1950 bis 1970 verändert haben. Der Climate Stress Score bildet die aktuelle Belastung durch Hitze, Dürre und starke Niederschläge ab.
Im internationalen Vergleich befindet sich Österreich bei beiden Indikatoren derzeit im vergleichsweise niedrigeren Risikobereich. Das ist allerdings nicht mit Entwarnung gleichzusetzen. Die Werte bilden die relative Situation eines Landes zu einem bestimmten Zeitpunkt ab – und gerade Extremwetterrisiken können sich von Jahr zu Jahr deutlich verändern. Österreich zählt in der Analyse gemeinsam mit Deutschland, Polen, Portugal sowie nordischen und baltischen Staaten zu den europäischen Ländern mit derzeit niedrigeren Werten in beiden Dimensionen.
Auch der Blick auf Extremwetter zeigt, wie wenig aussagekräftig ein einzelnes Jahr sein kann: Für Österreich wurde 2025 in der zugrunde liegenden Datenbank kein entsprechendes Extremwetterereignis erfasst. Seit 2000 liegt der langfristige Durchschnitt hingegen bei rund 3,2 Ereignissen pro Jahr. Die damit verbundenen wirtschaftlichen Schäden entsprechen im langjährigen Mittel rund 0,2 % des österreichischen BIP.
El Niño: Für Österreich könnten vor allem Wachstum und Preise unter Druck kommen
Für Österreich könnte insbesondere die Entwicklung im kommenden Jahr wirtschaftlich relevant werden. In einem von ACREDIA & Allianz Trade untersuchten El-Niño-Szenario könnte die heimische Wirtschaftsleistung 2027 um rund 1,5 Mrd. US-Dollar beziehungsweise 0,3 % geringer ausfallen.
Besonders deutlich zeigt sich der mögliche Effekt bei den Preisen: Die Modellrechnung ergibt für Österreich einen zusätzlichen Effekt von 0,84 Prozentpunkten auf die Gesamtinflation und von 1,34 Prozentpunkten auf die Nahrungsmittelinflation.
„Für Unternehmen entsteht daraus eine zusätzliche Dimension im Risikomanagement. Klimatische Veränderungen können sich über Produktionsausfälle, steigende Preise oder Probleme entlang der Lieferkette bis auf die Bonität von Geschäftspartnern auswirken. Entscheidend ist deshalb, Risiken nicht erst dann zu managen, wenn sie bereits schlagend geworden sind“, sagt Kolb.
Grundlage der Berechnungen ist eine Sensitivitätsanalyse für 144 Volkswirtschaften, die sich an den Temperaturwirkungen des starken El Niño 2023/2024 orientiert. Über alle untersuchten Volkswirtschaften hinweg ergibt sich für 2027 ein möglicher Verlust von 451 Mrd. US-Dollar. Für die EU-27 errechnet die Analyse einen möglichen Nettoeffekt von rund 24 Mrd. US-Dollar beziehungsweise 0,09 % des BIP.
Die Berechnungen zeigen ein mögliches Szenario und stellen keine Prognose für 2027 dar. Berücksichtigt werden ausschließlich temperaturbedingte Effekte. Weitere wirtschaftliche Folgen von Extremereignissen wie Dürren, Überschwemmungen oder Waldbränden sind darin nicht eingerechnet.
Vorsorge stärkt wirtschaftliche Resilienz
Was auf volkswirtschaftlicher Ebene gilt, wird auch für Unternehmen immer wichtiger: Risiken frühzeitig zu erkennen und Abhängigkeiten transparent zu machen, kann dazu beitragen, wirtschaftliche Folgen zu begrenzen. Die internationale Analyse zeigt, dass Länder mit etablierten Frühwarnsystemen, Risikokarten, vorausschauender Finanzierung und klar geregelten Zuständigkeiten besser auf Klimarisiken vorbereitet sind.
Damit gewinnt auch für Unternehmen neben dem Umgang mit akuten Krisen die vorausschauende Vorsorge an Bedeutung.
„Resilienz beginnt vor der Krise. Wer seine Abhängigkeiten kennt, Risiken transparent macht und rechtzeitig vorsorgt, schafft sich Handlungsspielraum. Gerade in einem wirtschaftlich anspruchsvollen Umfeld kann dieser Vorsprung entscheidend sein“, so Kolb.
Studie
Die vollständige Studie finden Sie beigefügt und hier: LINK
Rückfragehinweis:
Stefan Lindlbauer, Head of Marketing, Communications & Digital
ACREDIA Group Tel.: +43 (0)5 01 02-2150, E-Mail: stefan.lindlbauer@acrediagroup.com
Über die Acredia-Gruppe
Die ACREDIA Group ist internationaler Kreditversicherer mit Sitz in Wien und Teil des globalen Netzwerks von Allianz Trade, dem Weltmarktführer in der Kreditversicherung. Als führender Kreditversicherer in Österreich schützt ACREDIA Unternehmen im In- und Ausland zuverlässig vor Zahlungsausfällen und unterstützt sie im professionellen Liquiditäts- und Risikomanagement.
Mit einem abgesicherten Forderungsvolumen von mehr als 35,7 Milliarden Euro und einem Umsatz von rund 84,7 Millionen Euro im Jahr 2025 steht ACREDIA für Stabilität, internationale Vernetzung und fundierte Risikokompetenz.
Neben Österreich ist ACREDIA in Slowenien, Kroatien sowie weiteren Märkten Südosteuropas tätig und begleitet Unternehmen regional wie international bei der sicheren Entwicklung ihrer Geschäfte. Anteilseigner der ACREDIA Group sind die Oesterreichische Kontrollbank AG und Allianz Trade.
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